FLUCHTHILFE: Lob des Schleusers

Es gab eine Zeit, da hießen Schleuser und Schlepper noch "Fluchthelfer" und haben für ihre kostenpflichtiige Dienstleistung in bundesdeutschen Zeitungen (hier die SZ von 1973) offen geworben. In der DDR galt dies natürlich als Straftatbestand und wurde als "staatsfeindlicher Menschenhandel" geahndet. (Unterhalb von "staatsfeindlich" ging in der DDR offenbar nichts.)

Heute gibt es die DDR zwar nicht mehr. Fluchthelfer werden aber nun von der BRD ebenfalls konsequent verfolgt.So berichtet etwa "Der Westen" im Dezember 2013: "Mit einer Bewährungsstrafe beendete das Landgericht Essen einen Prozess gegen anfangs sechs Angeklagte, die Syrer aus dem Kriegsgebiet nach Deutschland geschleust hatten. Das Gericht berücksichtigte zwar humanitäre Aspekte, den Schleusern sei es aber auch um den finanziellen Gewinn gegangen."

Der Autor Stefan Buchen hat dazu ein Buch geschrieben: "Die neuen Staatsfeinde. Wie die Helfer syrischer Kriegsflüchtlinge in Deutschland kriminalisiert werden." Im Verlagstext heißt es: "Menschen, die selbst einmal Flüchtlinge waren, holen ihre Frauen, Kinder und Verwandten aus dem syrischen Krieg illegal nach Deutschland. Dafür behandelt der deutsche Staat sie wie Verbrecher. Die Fluchthelfer – die »Schleuser« – werden von Regierung, Polizei, Justiz und Presse mit Terroristen und Mördern auf eine Stufe gestellt. In dem aktuellen Fall, den Stefan Buchen recherchiert hat, verlieren Behörden und die deutsche Flüchtlings- und Migrationspolitik jedes menschliche Maß."

Wer zum Thema eine Kurzzusammenfassung online lesen möchte, ist hier richtig: Auf der Homepage des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins hat Axel Nagler mit einiger Berechtigung ein "Lob der Schleuser" verfasst.


Passend zum Thema übrigens auch eine Reportage in der aktuellen Ausgabe des Boulevardmagazins FOCUS - allerdings mit entgegengesetzter Intention und focus-üblicher, überschaubarer Qualität. Auszug gefällig?

"FOCUS begleitete zwei Zivilfahnder der Bundespolizei bei ihrem Einsatz gegen skrupellose Menschenhändler und Flüchtlinge aus aller Welt (...) „Viele Flüchtlinge, die hier ankommen, sind fix und fertig. Die tun mir einfach leid“, berichtet ein Bundespolizist. „Verbrecher sind die Schleuser, die mit dem Elend der Leute in ihren Herkunftsländern wie Eritrea dicke Kohle machen. An die müssen wir ran. (...) Ins Raster der Bundespolizisten passen bestimmte Fahrzeuge: Mittelgroße Lieferwagen ohne Aufschriften, leicht angegammelte Busse und geräumige Pkws mit verdunkelten Scheiben. Wenn sie dann noch Kennzeichen eines Balkan-Landes oder Nummernschilder aus Italien haben, lohnt sich eine Überprüfung.“


Dass Flühtlinge ohne die professionelle Dienstleistung der Fluchthelfer praktisch keine Möglichkeit haben, nach Europa und nach Deutschland zu gelangen, kommt weder dem Bundespolizisten noch dem FOCUS-Reporter in den Sinn...