Mit Hausaufgabenbetreuung zum Erfolg

„Anfang Oktober 2007 hat mich Frau Kokoszka von der GGUA Flüchtlingshilfe Münster e.V. gebeten, im Rahmen des Schlauberger-Projektes zwei afghanische Mädchen schulisch zu unterstützen.

Herr Nabizada kam 1982 über den Iran, seine Ehefrau 1994 über Pakistan nach Deutschland. Die drei Töchter wurden hier geboren, Morsal 1995, Meschgan 1996. Die jüngste Tochter geht noch zur Grundschule.

Frau Nabizada spricht wenig Deutsch, Herr Nabizada beherrscht die deutsche Sprache gut, aber nicht gut genug, um seinen Kindern schulisch helfen zu können.

Beide Eltern sind am schulischen Erfolg ihrer Kinder außerordentlich interessiert. Herr Nabizada engagierte und engagiert sich erheblich auf Klassenpflegschaftsebene.

Angesichts der sich abzeichnenden, für ihn und die beiden Mädchen sehr enttäuschenden Hauptschulempfehlung der Grundschule Ende des Schuljahres 2007/2008 setzte er sich mit der GGUA in Verbindung.

Meine Unterstützung beider Mädchen bestand im ersten Jahr in Hausaufgabenbetreuung und davon ausgehend in der Förderung vor allem in Deutsch (Rechtschreibung, Grammatik, Lesen sowie  Sprechen und Schreiben bei unterschiedlichen Anlässen und gegenüber unterschiedlichen Adressaten) aber auch in Mathematik, Englisch sowie in Arbeitstechniken.

Ich fahre zweimal in der  Woche zur Familie Nabizada und arbeite mit beiden Mädchen gleichzeitig, jeweils 11/4 bis 2 Zeitstunden.

Mit Beginn diese Schuljahres wechselten beide in die Jahrgangsstufe 6 einer Realschule. Erste Ergebnisse deuten auf eine völlig problemlose Mitarbeit hin.

Ich habe mich verpflichtet, Morsal und Meschgan auch noch in diesem Schuljahr im bisherigen Umfang zu unterstützen.

Beide arbeiten sehr selbständig, sind interessiert, ehrgeizig und begabt.“

 

Bericht des Lernpaten von Morsal und Meschgan im „Buch der Bildungsrepublik“, 2008

 

 

Sabrije und Rike - eine Erfolgsgeschichte

„Migration – eine Herausforderung für die Bildungspolitik, so lautete der Titel meiner Abschlussarbeit im Rahmen meines Ersten Staatsexamens in Soziologie.

Dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem nach wie vor stark benachteiligt sind, war leider schnell konstatiert und belegt. In bildungssoziologischen Theorien lassen sich auch einige mögliche Ursachen für diesen Zustand finden, aber dann? Muss man sich mit dieser Situation zufrieden geben, sagen, sie sei systemisch bedingt und damit nicht zu ändern?

Diese Aussicht passte mir nicht – und dann wurde ich zufällig durch einen Aushang in der Uni auf das Schulprojekt Schlauberger der GGUA Flüchtlingshilfe Münster aufmerksam: Ein Projekt, das sich die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund zur Aufgabe macht und immer auf der Suche nach Verstärkung ist für ein Team ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in einer „1-zu-1-Betreuung“ Sprachförderung, Hausaufgabenhilfe etc. für Grundschulkinder nichtdeutscher Erstsprache übernehmen.

Ein erstes Treffen in der GGUA hat mich vom Schlauberger-Konzept überzeugt und so bekam ich meinen „Schützling“ zugewiesen: Sabrije, ein Mädchen aus dem Kosovo, das mit seiner Familie seit einem Jahr in Deutschland lebte und hier in Münster in die dritte Klasse ging. Zwar waren alle erstaunt, wie schnell Sabrije „wie von selbst“ Deutsch lernte und ihre Deutschkenntnisse immer weiter verbesserte, aber Probleme gab es natürlich trotzdem, weil sie Aufgaben nicht verstand, Wörter nicht kannte, sich nur ungenau ausdrücken konnte etc.

Einmal in der Woche kam ich mittags zu ihr in die Schule, um ihr bei Hausaufgaben zu helfen, sie bei der Vorbereitung von Klassenarbeiten zu unterstützen und um einfach mit ihr zu „quatschen“ über die Schule, Freunde, Familie, den Kosovo, ihr Leben in Münster usw. Auch schulorganisatorische Fragen haben wir besprochen, denn für zugewanderte Familien, die das deutsche Bildungssystem selbst nicht durchlaufen haben, ist die Hilfe in diesem Punkt fast genauso wichtig wie die Hilfe beim Deutschlernen und den Hausaufgaben. Und zu einer richtigen Förderung gehören natürlich auch der Besuch im Zoo und im Kindertheater, Stadt- und Schulfeste und und und.

Das war im Herbst 2006. Inzwischen besucht meine „Schlaubergerin“ Sabrije die fünfte Klasse eines Gymnasiums und wir – ja, wir sind richtige Freundinnen geworden.“

 

Bericht der Lernpatin von Sabrije im „Buch der Bildungsrepublik“, 2008