Schlussakkord

Man hat ihn „Einzelkämpfer“, „Vorkämpfer“, „Bergeversetzer“ genannt. Volker-
Maria Hügel, den ich aufgrund meiner früheren Arbeit im Sozialamt der Stadt Münster seit 25 Jahren gut kenne und mit dem ich seit einigen Jahren befreundet bin. Er arbeitet seit 30 Jahren bei der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender in Münster (GGUA). Wie die Clemensschwester Eveline für die alleinstehenden Wohnungslosen, so hat er mich für die Probleme der Flüchtlinge zunächst interessiert und dann sensibilisiert. Wir haben es nicht
leicht miteinander gehabt, er konnte oft nicht anders, weil er die Not der Flüchtlinge wie eigenes Schicksal empfunden und vertreten hat und ich konnte auch manchmal nicht anders, weil mir einfach die Hände gebunden waren, aber
wir haben einen gemeinsamen Weg gefunden.


Jeder hat den anderen akzeptiert und geachtet. Als er 1978 (wohl noch in der Probezeit als Sozialarbeiter bei der Stadt Münster) durch Presseberichte auf Missstände in städtischen Flüchtlingswohnheimen aufmerksam machte, wusste er sehr wohl, dass ihn das seinen Job kosten konnte - so war es dann auch! Aber er hat an seiner Überzeugung festgehalten, er hat über die GGUA eine Gemeinschaft Gleichgesinnter gefunden, für die die Arbeit für Flüchtlinge und Einwanderer Zielprojektion und täglicher Aktionsradius war.


Als ich ihm kürzlich sagte, „Wegen der Beharrlichkeit, mit der Du Deinen Weg
verfolgst, könntest Du ein Westfale sein“, entgegnete Volker-Maria Hügel:
„Ich bin Münsteraner. Ich habe genug damit zu tun, Mensch zu sein. Vor diesem
Hintergrund komme ich gar nicht dazu, mir Gedanken darüber zu mache, ob ich auch Westfale bin!“; er ist in der Stadt des „Westfälischen Friedens“ geboren; er wird wohl doch Westfale sein!

 

Horst Gärtner, draußen, Ausgabe 11/2008