
Liebe Mitglieder, liebe Ehrenamtliche und alle Interessierten!
Zum Jahresende informieren wir Sie noch einmal über die aktuellen Entwicklungen in der GGUA. Zusätzlich zu unseren Info-Rubriken stellen wir Ihnen von nun an immer auch ein aktuelles Schwerpunktthema vor, in dieser Ausgabe „Ein Jahr Bleiberechtsregelung – eine Bilanz“, erstellt von unserem Projekt Q-Mitarbeiter Claudius Voigt. Wir wünschen Ihnen allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit, friedvolle Festtage, und kommen Sie gut in das neue Jahr!
“Schlauberger” unter den besten zehn ”Best Practrice-Projekten” in NRW
Unser „Schlauberger“-Schulprojekt zur Unterstützung von Kindern mit Migrationshintergrund wurde im vergangenen Monat zum zweiten Mal ausgezeichnet! Nach dem 2. Platz bei dem Wettbewerb der Stiftung "Bürger für Münster" im Jahr 2005 wurde das Projekt nun bei dem landesweiten Wettbewerb "Grenzüberschreitungen - Chancengleichheit in Europa" bei insgesamt 90 Bewerbungen als eines der zehn "Best Practice"-Projekte und damit als "vorbildlich für das Erreichen von Chancengleichheit und das Herausstellen des Wertes von Vielfalt" ausgewählt.
Am 13. November fand im historischen Rathaus der Stadt Aachen in feierlichem Rahmen die Wettbewerbsprämierung statt. Anwesend waren unter anderem Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen und NRW-Integrationsminister Armin Laschet, der „Schlauberger“-Leiterin Johanna Kokoszka (re.) und GGUA-Öffentlichkeitsreferentin Dr. Ulrike Löw die Urkunde überreichte. Wir bedanken uns in diesem Zusammenhang noch einmal ausdrücklich bei allen freiwilligen MitarbeiterInnen, ohne deren Unterstützung dieser Preis so nicht möglich gewesen wäre. Betrachten Sie die Prämierung daher auch als Ihre ganz persönliche Auszeichnung!
Ein Jahr „Integration begleiten!“
Unser vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördertes Modellprojekt „Integration begleiten!“ ist ein Jahr alt geworden! Es umfasst die Arbeitsbereiche „TIB-Café“, „Schlauberger“, die von uns geförderte HipHop-Tanzgruppe „DaNercs“ und das „Quassel-Café“ ebenso wie Familienpatenschaften und Mentorentätigkeiten. Schwerpunkt aller Teilbereiche des Projekts ist das gemeinschaftliche ehrenamtliche Engagement von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zur Förderung von Integration. Zum ersten Jahrestag des Projekts feierten wir am 23.11.07 mit Vereinsmitgliedern, Ehrenamtlichen und VertreterInnen der Stadt Münster in den Räumen des Ausländerbeirats das erfolgreiche erste Jahr (Foto: Projektleiterin Marlies Isernhinke im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Ausländerbeirats, Spyros Marinos, und dem Integrationsdezernenten der Stadt Münster, Thomas Paal, re.).
Rückkehrberatung
Unsere Rückkehrberatung für Flüchtlinge, geleitet von der GGUA- Mitarbeiterin Anna Laumeier (Bild), existiert seit zwei Jahren. Mit unserem Angebot, das sich schwerpunktmäßig an Flüchtlinge aus Serbien, Montenegro und Makedonien bezüglich ihrer aufenthaltsrechtlichen Perspektiven in Deutschland und Möglichkeiten der freiwilligen Rückkehr wendet, bieten wir eine individuelle Information, Aufklärung und Beratung an, wenn sich Menschen mit dem Thema Ausreise bzw. Rückkehr beschäftigen wollen – oder müssen.
Hier ist richtig, wer sich über Rückkehrmöglichkeiten allgemein und (finanzielle) Starthilfen informieren möchte, wer Auskünfte braucht über die aktuelle Situation in seinem Herkunftsland, wer Rat und Begleitung braucht bei der Entscheidungsfindung.
Die Rückkehrberatung der GGUA nutzen auch Menschen, die sich bereits entschieden haben, in ihr ursprüngliches Heimatland zurückzukehren. Und die Beratung steht schließlich auch und gerade Flüchtlingen offen, die nur noch wählen können zwischen der konkret drohenden Abschiebung und der sogenannten “freiwilligen” Ausreise und Rückkehr. Viele unserer KlientInnen haben durch die aktuellen Altfallregelungen neue Chancen auf ein Bleiberecht bekommen; wenn sie sich an unsere Rückkehrberatung wenden, dann auch, um diese Alternative prüfen zu lassen (siehe hierzu auch unser aktuelles Schwerpunkthema “Ein Jahr Bleiberechtsregelung – eine Bilanz” von Claudius Voigt)
“Quassel-Café”
Ein neues Angebot innerhalb unseres Projekts “Integration begleiten!” ist das Quassel-Café, das wir jeden zweiten Dienstag im Monat in den Räumlichkeiten der GGUA anbieten. Von 16-18 Uhr können sich hier Frauen aller Nationalitäten in gemütlicher Runde treffen und mit einheimischen Frauen deutsch sprechen. Am 13. November fand bei Kerzenschein und mit liebevoll gestalteter herbstlicher Dekoration das erste Treffen statt. Leiterin Marlies Isernhinke wünscht sich auch hier einen partnerschaftlichen Austausch: „Migrantinnen freuen sich über deutsche Gesprächspartnerinnen, und deutsche Frauen können durch die Erzählungen ausländischer Frauen ebenfalls viel erfahren.“ Für die Zukunft planen die Initiatorinnen des „Quassel-Cafés“ eine Erweiterung des Angebots, z.B. zu einem gemeinsamem Stadtbummel oder Ausflügen in die nähere Umgebung.
HipHop-Tanzgruppe
In der vorangegangenen Ausgabe berichteten wir bereits über die erfolgreiche Entwicklung der von der GGUA geförderten HipHop-Formation “DaNercs”. Vier der Mitglieder waren von der Schüler- auf die Lehrerseite gewechselt und hatten mit einem ersten eigenen Workshop ihr Können unter Beweis gestellt.
Inzwischen ist der Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Ayuk Bobga (19) aus Kamerun (Bild) hat mit einigen der TeilnehmerInnen jenes Workshops eine eigene Tanzgruppe, die “Future Dancers”, gegründet und unterrichtet sie regelmäßig zweimal pro Woche. Er versteht sich hierbei nicht nur als Tanzlehrer, sondern auch als Mentor seiner Schützlinge – ein besonders lobenswertes Beispiel für gelebte Integration.
Auch diese zweite, ganz in Eigeninitative entstandene Tanzgruppe wird nun von der GGUA gefördert. Zu ihr gehören neben Ayuk Bobga die elfjährige Portia, die gleichaltrige Kristina, Katharina und Manjana (beide 13 Jahre alt) sowie der 15jährige Uros.
Da wir unsere Arbeit auf hohem Niveau weiterführen und einzelne Projektbereiche weiter optimieren möchten, sind wir für jede Unterstützung dankbar! Es gibt viele Bereiche, in denen Sie für uns ehrenamtlich tätig werden oder uns durch eine Geldspende helfen können!
Spendentip des Monats
Unsere 10 HipHop-Mädels und -Jungs möchten gern an dem großen HipHop-Wettbewerb "Present ya style" teilnehmen, der am 15.3.2008 in der Stadthalle Hiltrup stattfindet (siehe: http://www.hiphop-contest.de).
Für unsere TänzerInnen ist dies ein ganz großes Ereignis, bei dem sie zum einen zeigen könne, was sie „drauf“ haben, das vor allem aber auch der Stärkung ihres Selbstwertgefühl dient – sehr wichtig für Jugendliche, die in vielen Bereichen noch immer benachteiligt sind.
Sie möchten sich gern in eigenen Gruppen-T-Shirts präsentieren, die noch gedruckt werden müssen, und zahlen außerdem ein Startgeld von 10 EUR pro TeilnehmerIn - für unsere Kids ist das viel Geld. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn Sie sie mit einer Spende unterstützen und danken Ihnen schon jetzt im Namen unserer TänzerInnen.
Sie können unter:http://www.spendenportal.de/main/org.php?id=481531012048 direkt online spenden oder an die unten angegebene Bankverbindung unter dem Stichwort “HipHop” überweisen. Vielen Dank!
Mitarbeit im TIB-Café
Für das TIB-Café suchen wir noch Ehrenamtliche, die Migranten bei der Arbeits- und Wohnungssuche unterstützen. Die im August in Kraft getretene Altfallregelung und weitere Gesetzesänderungen ermöglichen vielen Flüchtlingen nach Jahren des Wartens endlich den Arbeitsmarktzugang. Daher kommen nun jeden Montag von 9 – 12 Uhr verstärkt Ratsuchende zu uns in das TIB-Café.
Als Ehrenamtliche beraten Sie die KlientInnen über ihre individuellen Möglichkeiten und unterstützen anschließend bei der Suche nach Stellenangeboten, Bewerbungsschreiben und Anrufen.
Selbstverständlich können Sie sich bei Fragen jederzeit an unsere hauptamtlichen MitarbeiterInnen wenden, die auch die notwendigen Kontakte zu Behörden und Bildungseinrichtungen vermitteln. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Marlies Isernhinke: 0251/14486-27 oder unter isernhinke@ggua.de
Neue Ideen für das Projekt “Integration begleiten!“
Sie haben eine Idee, wie wir den partnerschaftlichen Austausch zwischen MigrantInnen und Einheimischen noch erweitern können? Wenn Sie sich hier ehrenamtlich betätigen möchten, sind Sie bei uns genau richtig! Wir stellen Ihnen gern unsere Räumlichkeiten zur Verfügung oder vermittlen Sie an mit uns kooperierende Einrichtungen. Möglich wäre z.B.
Auf Ihre Anregungen freut sich Marlies Isernhinke, 0251/14486-27 oder unter isernhinke@ggua.de.
Interkulturelles “Quassel-Café” von und für Frauen
Ein offener Treff mit Kaffee und Kuchen für Frauen aller Nationalitäten in den Räumlichkeiten der GGUA. Voranmeldung ist nicht nötig. Fühlen Sie sich herzlich eingeladen!
Dienstag, 11. Dezember 2007, 16-18 Uhr
Dienstag, 8. Januar 2008, 16-18 Uhr
Dienstag, 12. Februar 2008, 16-18 Uhr
Dienstag, 11. März 2008, 16-18 Uhr
Ausstellungseröffnung “Wir sind Münster”
„Wir sind Münster“ ist eine Ausstellung der Studentin Nina Wiengarten (2 v. l), und der GGUA Flüchtlingshilfe. In Kurzportraits stellt Nina Wiengarten Flüchtlinge aus acht verschiedenen Ländern vor, die heute alle in Münster leben. Die Ausstellung gewährt einen Einblick in ihre Geschichten, ihren Alltag und ihre Wünsche für die Zukunft. Die eindrucksvollen Fotografien wurden von Sarah Held (2. v. r.) erstellt und gestaltet. Unterstützt wird das Projekt von dem Kulturamt der Stadt Münster, Konradt Werbung, der Sparkasse Münsterland-Ost, dem Förderverein Pro Asyl e.V., dem Ausländerbeirat der Stadt Münster, der Volkbank Münster und Dr. Uwe Schüllenbach.
Ausstellungstermine:
12.12.07 16-20 Uhr: Vernissage im Ausländerbeirat, Stadthaus 2, Ludgeriplatz 4, Münster
17.12.07 - 12.2.08 Mo.-Fr., 9-20 Uhr: JIB, Hafenstraße 34, Münster
3.3.-29.3.08 Mo.-Fr. 10-19 Uhr: Sa. 10-15 Uhr: Stadtbücherei, Alter Steinweg 11, Münster
4.4.-28.5.08 Mo.-Fr. 9-15 Uhr: ESG, Café Weltbühne, Breul 43, Münster
3.6.-13.8.08 Mo.-Fr. 8-18 Uhr: Katholische Fachhochschule, Piusallee 89, Münster
16.9.-14.10.08 während der Vorstellungen: Städtische Bühnen, Neubrückenstraße 63, Münster
Weihnachtsfeier der GGUA
Als Dankeschön für die vielen HelferInnen, die uns während des vergangenen Jahres unermüdlich zur Seite gestanden haben, und ohne deren Unterstützung wir unsere Arbeit so nicht hätten durchführen können, laden wir am 18.12.2007 zu unserer Weihnachtsfeier in die Aula der ESG Münster am Breul 43 ein.
Ab 19 Uhr präsentieren wir dort ein buntes Festprogramm für unsere Gäste. Auch für das leibliche Wohl ist selbstverständlich gesorgt. Alle Mitglieder, Ehrenamtlichen und PraktikantInnen (auch ehemalige!) sowie Förderer der GGUA sind herzlich eingeladen, an diesem Abend mit uns gemeinsam zu feiern.
Finanziert wird das Fest durch großzügige Spenden unseres Vorstandes und eines Förderers, der ungenannt bleiben möchte.
Bei Fragen und Rückmeldungen wenden Sie sich bitte an Ulrike Löw, loew@ggua.de oder 0251/14486-23.
Von Claudius Voigt, Projekt Q der GGUA Flüchtlingshilfe
Die so genannte Bleiberechtsregelung der Innenministerkonferenz ist im November ein Jahr alt geworden. Die Antragsfrist ist seit Ende September abgelaufen. Anlass, Bilanz zu ziehen, für wie viele langjährig geduldete Menschen die Regelung zu einem festen Aufenthalt geführt hat.
Vor Inkrafttreten des Bleiberechts gab es bundesweit gut 200.000 Menschen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus – davon etwa 70.000 in NRW. Diese Personen haben entweder eine Duldung oder eine Aufenthaltsgestattung: Eine Aufenthaltsgestattung erhält man für die Zeit des Asylverfahrens, dessen Ausgang mehr als ungewiss ist. Nach der – sehr wahrscheinlichen – Ablehnung des Asylantrags erhält man normalerweise eine Duldung, falls eine Abschiebung nicht möglich ist. Mit einer Duldung erhält man in der Regel viel niedrigere Sozialhilfesätze als die sonst übliche Höhe, man muss häufig in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und darf nur unter bestimmten Voraussetzungen arbeiten. Vor allem aber droht immer die Abschiebung – auch, wenn man bereits seit vielen Jahren in Deutschland lebt und die Kinder vielleicht sogar hier geboren sind. Dies sind einige der Gründe, warum Flüchtlingsorganisationen, Kirchen, Schulen und viele andere seit langem eine Bleiberechtsregelung gefordert hatten.
Nach der Bleiberechtsregelung der Innenministerkonferenz haben bislang bundesweit knapp 20.000 Menschen eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, in NRW etwa 8.000. Dies entspricht also einem Anteil von gerade einmal zehn Prozent. Hinzu kommen allerdings noch weitere Personen, die nach der seit August 2007 geltenden „Altfallregelung“ im Aufenthaltsgesetz voraussichtlich eine Aufenthaltserlaubnis erhalten werden.
In Nordrhein-Westfalen gehen die Zahlen bei erteilten Aufenthaltserlaubnissen weit auseinander: So hat der Kreis Borken bis zum 30. September 2007 nur 10,38 Prozent der Anträge positiv entschieden, die Stadt Marl hingegen 42,06 Prozent. Die Stadt Münster hat bis Ende September 182 Anträge positiv entschieden; dies entspricht einer Quote von knapp 22 Prozent im Verhältnis zu den Antragszahlen. 660 Personen warteten Ende Oktober noch auf eine Entscheidung.
Größtes Hindernis für eine Aufenthaltserlaubnis ist bei zahlreichen Personen der Vorwurf, sie hätten eine Abschiebung in der Vergangenheit vorsätzlich hinausgezögert – etwa durch mangelnde Mitwirkung bei der Passbeschaffung: Bei iranischen Staatsangehörigen verlangt etwa die iranische Botschaft für die Erteilung eines Nationalpasses eine Unterschrift, dass man freiwillig in den Iran zurückkehren wolle. Aus verständlichen Gründen will dies allerdings selbstverständlich kaum jemand.
Die Weigerung, eine solche wahrheitswidrige Erklärung abzugeben wird jedoch oft als Ausschlussgrund gewertet. Auch nach der im August in kraft getretenen gesetzlichen Altfallregelung gilt eine solche mangelnde Mitwirkung als Ausschlussgrund. Fachleute gehen davon aus, dass allenfalls 20 bis 30 Prozent der geduldeten Personen ein Bleiberecht erhalten werden. Diese müssen dann bis Ende 2009 nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt eigenständig sichern können, sonst wird die Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert.
Bilanz der Bleiberechtsregelung NRW
Bilanz der Bleiberechtsregelung Bund
Impressum: Herausgeber: GGUA Flüchtlingshilfe. Redaktion und V.i.S.d.P.: Ulrike Löw
Allgemeine Beratung:
Mo: 15-18 Uhr
Di: 9-12 Uhr
Do: 15-18 Uhr
Formularsprechstunde:
Mi: 9-12 Uhr
Wir bedanken uns für freundliche Unterstützung bei Bäckerei Cibaria, die jeden Mittwoch eine kostenlose Brotausgabe in der GGUA ermöglicht.
Wir bedanken uns bei den Westfälischen Nachrichten für kostenlose Zeitungsexemplare für unsere KlientInnen.